Archiv für~lyrik~
{ November 16, 2009 @ 21:57 }
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{ ~lesezirkel~, ~lyrik~ }
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Kennst du das auch, dass manchesmal
Inmitten einer lauten Lust,
Bei einem Fest, in einem frohen Saal,
Du plötzlich schweigen und hinweggehn musst?
Dann legst du dich aufs Lager ohne Schlaf
Wie Einer, den ein plötzlich Herzweh traf;
Lust und Gelächter ist verstiebt wie Rauch,
Du weinst, weinst ohne Halt – Kennst du das auch?
Hermann Hesse
{ Oktober 6, 2009 @ 23:40 }
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{ ~lesezirkel~, ~lyrik~ }
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Im Astwerk wiegt sich der müde
Wind in Schlaf. Meine Hand
Läßt eine blutrote Blüte
Zerflattern im Sonnenbrand.
Ich hab schon viele Blüten
Blühn und zerflattern sehn;
Die Freuden und Wehen kommen und gehn,
Man kann sie nicht behüten.
Ich habe auch verstreuet
Mein Herzblut in das Leben hin;
Ich weiß nicht, ob’s mich reuet,
Ich weiß nur, daß ich müde bin.
„Liebesmüde“ von Hermann Hesse
{ August 19, 2009 @ 22:11 }
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{ ~lesezirkel~, ~lyrik~, ~mit gefühl~ }
{ Tags: emotions }
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Eigenartig
wie das Wort eigenartig
es fast als fremdartig hinstellt
eine eigene Art zu haben
Erich Fried
{ August 7, 2009 @ 22:06 }
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{ ~lesezirkel~, ~lyrik~ }
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In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee,
Da taten ihnen die Beine weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.
Joachim Ringelnatz
{ Juli 26, 2009 @ 02:10 }
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{ ~eigenmarke~, ~lyrik~ }
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Die Wolken hell erleuchtet,
Doch nur von einer Seite scheint das Licht.
Der Himmel ist beleuchtet.
Doch die Menschen stört das nicht.
Über den Wolken spannt sich das All.
Das Blau ist gedunkelt.
Darunter wie ein Wasserfall
Das Licht der Menschen rauf funkelt.
Unter den Wolken die Stadt leuchtet hell.
Die Sonne, man denkt’s,
nein – der Mensch ist die Quell’.
Die Lichter der Stadt,
Die erleuchten die Nacht.
Die haben den Himmel dort ruhelos gemacht.
{ Dezember 8, 2008 @ 20:25 }
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{ ~lesezirkel~, ~lyrik~ }
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Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
Joseph von Eichendorff
{ November 23, 2008 @ 02:59 }
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{ ~lesezirkel~, ~lyrik~, ~mit gefühl~ }
{ Tags: emotions }
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Wie jetzt noch ein Gedicht schreiben,
warum nicht endgültig schweigen
und uns viel nützlicheren Dingen widmen?
Warum die Zweifel vergrößern,
alte Konflikte, unverhoffte Zärtlichkeiten
neu durchleben;
dieses Quentchen Lärm
einer Welt hinzufügen
die mehr ist, die es doch nur zunichte macht?
Wird irgendwas klarer durch solch ein Knäuel?
Niemand braucht es,
Relikt vergangener Herrlichkeiten,
wem hilft es, welche Wunden heilt es?
Juan Gustavo Cobo-Borda
{ Oktober 6, 2008 @ 20:57 }
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{ Tags: emotions }
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Traurigsein
heißt nicht gut ausatmen können
und nicht spüren wie etwas schmeckt
außer Traurigsein
Traurigsein
heißt vielleicht mehr bemerken
von dem was traurig ist
als vor dem Traurigsein
Traurigsein
heißt nicht Traurigseinwollen
und nicht Unglücklichseinwollen
und auch nicht Glücklichseinwollen
Traurigsein
heißt überhaupt nichts wollen
und auch nichts nichtwollen
Es heißt nur Traurigsein
Erich Fried
{ August 28, 2008 @ 21:36 }
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{ ~lesezirkel~, ~lyrik~, ~mit gefühl~ }
{ Tags: emotions }
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Will das Glück nach seinem Sinn
dir was Gutes schenken,
sage Dank und nimm es hin
ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt,
doch vor allen Dingen:
das, worum Du Dich bemühst,
möge dir gelingen!
Wilhelm Busch
{ August 25, 2008 @ 20:47 }
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Die Bäume tropfen vom Gewitterguß,
im nassen Laub glänzt Mondlicht kühlvertraut,
vom Tal herauf der unsichtbare Fluß
tönt dunkel her mit ruhelosen Laut.
Jetzt im Gehöfte schlagen Hunde an -
O Sommernacht und halbverhangene Sterne,
wie reißt es mir auf eurer bleichen Bahn
das Herz hinaus in Reiserausch und Ferne!
Hermann Hesse
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