Archiv für~lesezirkel~

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Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse

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“Er haderte mit sich, bis er sich schließlich sagte, es sei eigentlich ganz normal, dass er nicht wisse, was er wolle. Man kann nie wissen, was man wollen soll, weil man nur ein Leben hat, das man weder mit früheren Leben vergleichen noch in späteren korrigieren kann. [...] Es ist unmöglich zu überprüfen, welche Entscheidung die richtige ist, weil es keine Vergleiche gibt. Man erlebt alles unmittelbar, zum ersten Mal und ohne Vorbereitung. Wie ein Schauspieler, der auf die Bühne kommt, ohne vorher je geprobt zu haben. Was aber kann das Leben wert sein, wenn die erste Probe für das Leben schon das Leben selber ist? Aus diesem Grunde gleicht das Leben immer einer Skizze. Auch “Skizze” ist nicht das richtige Wort, weil Skizze immer ein Entwurf zu etwas ist, die Vorbereitung eines Bildes, während die Skizze unseres Lebens eine Skizze von nichts ist, ein Entwurf ohne Bild.”

[Auszüge aus "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" von Milan Kundera}

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“Du besitzt jede Meile, die wir gefahren sind. Das ganze gelbe Land und die weißen Hügel und die Spreu im Wind und die langen Pappelreihen an der Straße. Du weißt, was du gesehen und was du empfunden hast, und es gehört dir.”

[Auszug aus "Der Garten Eden" von Ernest Hemingway}

Dabei denke ich an Rügen. Diese schöne Erinnerung wird ewig mir gehören.

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[Fall Out Boy ~ Thanks for the memories}

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse

Was der Wind in den Sand geschrieben

Dass das Schöne und Berückende
Nur ein Hauch und Schauer sein,
Dass das Köstliche, Entzückende,
Holde ohne Dauer sei:

Wolke, Blume, Seifenblase,
Feuerwerk und Kinderlachen,
Frauenblick im Spiegelglase
Und viel andre wunderbare Sachen,
Dass, sie , kaum entdeckt, vergehen,
Nur von Augenblickes Dauer,
Nur ein Duft und Windeswehen,
Ach, wir wissen es mit Trauer.

Und das Dauerhafte, Starre
ist uns nicht so innig teuer:
Edelstein mit kühlem Feuer
Glänzendschwere Goldesbarre,
Selbst die Sterne, nicht zu zählen,
Bleiben fern und fremd, sie gleichen
Uns Vergänglichen nicht erreichen
Nicht das Innerste der Seelen.

Nein, es scheint das innigst Schöne,
Liebenswerte dem Verderben
Zugeneigt, stets nah am Sterben,
Und das Köstlichste: die Töne
Der Musik, die im Entstehen
Schon enteilen, schon vergehen,
Sind nur Wehen, Ströme, Jagen
Und umweht von leiser Trauer,
Denn auch nicht auf Herzschlags Dauer
Lassen sie sich halten, bannen;
Ton um Ton, kaum angeschlagen,
Schwindet schon und rinnt von dannen.

So ist unser Herz dem Flüchtigen,
Ist dem Fließenden, dem Leben
Treu und brüderlich ergeben,
Nicht dem Festen, Dauertüchtigen.

Bald ermüdet uns das Bleibende,
Fels und Sternwelt und Juwelen,
Uns in ewigem Wandel treibende
Wind- und Seifenblasenseelen,
Zeitvermählte, Dauerlose,
Denen Tau am Blatt der Rose,
Denen eines Vogels Werben,
Eines Wolkenspieles Sterben,
Schneegeflimmer, Regenbogen,
Falter, schon hinweg geflogen,
Denen eines Lachens Läuten,
Das uns im Vorübergehen
Kaum gestreift, ein Fest bedeuten
Oder wehtun kann: Wir lieben,
Was uns gleich ist, und verstehen,
Was der Wind in den Sand geschrieben!

Hermann Hesse

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“Die Rückkehr in ihr Leben fiel ihr immer schwer. Sie hatte das Gefühl, von einem ständig schwerer werdenden Gewicht erdrückt zu werden, weshalb sie keine Ruhe mehr fand.”

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“Ineinander verschlungen standen sie da. Für lange Sekunden stand die Zeit still. Ihre Blicke sagten mehr, als Worte es je vermocht hätten. Alles lag darin, alles - woraus sie bestanden, all ihre Gesten, ihre Liebesschwüre.”

[Auszüge aus "Zwei Liebende" von Catherine Guillebaud}

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“Wenn man sich selbst an diesen Ort manövriert hat, an den Ort, an dem ich mich Silvesterabend befunden hatte, dann denkt man, alle Menschen, die nicht auf dem Dach gestanden haben, wären eine Million Meilen weit weg, auf der anderen Seite des Ozeans, doch das sind sie nicht. Denn es ist gar kein Meer da. Sie befinden sich so ziemlich alle auf dem Festland und in Reichweite. Ich will nicht behaupten, das Glück läge so nahe, wenn wir es nur sehen könnten, oder ähnlichen Schwachsinn. Ich sage damit nicht, selbstmordgefährdete Menschen trennt gar nicht so viel von Menschen, die es packen, ich meine, Menschen, die es packen, trennt gar nicht so viel vom Selbstmord. “

[Auszug aus "A long way down" von Nick Hornby}

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“Unser Leben besteht aus Zeit, unsere Tage werden nach Stunden berechnet, wir werden nach diesen Stunden bezahlt, unser Wissen wird nach Jahren bemessen. Wir klauen uns ein paar Minuten aus einem voll gestopften Tag für eine Kaffeepause. Wir rennen zu unserem Schreibtisch zurück, wir werfen einen Blick auf die Uhr, wir leben nach unserem Terminkalender. Und dann ist unsere Zeit irgendwann aufgebraucht, und im Innersten unseres Herzens fragen wir uns, ob wir diese Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre und Jahrzehnte vielleicht besser hätten nutzen können.

Alles dreht sich um uns herum, ein Karussell aus Beruf, Familie, Freunden, Liebhabern … Am liebsten möchte man ganz laut “Stopp!” rufen, ein paar Dinge neu ordnen und  dann erst weitermachen.”

[Auszug aus "Für immer vielleicht" von  Cecelia Ahern}

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“Das Leben ist schon komisch, was? Grade wenn du denkst, du hast alles im Griff, gerade wenn du was Neues planst, auf das du dich freust, grade wenn du das Gefühl hast, du weißt endlich, was du willst - ausgerechnet in dem Moment ist auf einmal alles anders, die Welt steht Kopf, und du weißt überhaupt nichts mehr. Man kann sich so verdammt leicht verlaufen.”

[Auszug aus "Für immer vielleicht" von Cecelia Ahern}

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“Ich will dir was sagen, mein Freund: Es ist viel leichter unglücklich zu sein als glücklich, und ich, hörst du, ich mag die Leute nicht, die den Weg des geringsten Widerstands gehen, ich mag keine Jammerlappen! Verdammt, sei glücklich. Tu etwas, streng dich an, um glücklich zu sein!”

[Auszug aus "35 Kilo Hoffnung" von Anna Gavalda}

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