Archiv fürNovember, 2008

Fazit

Dreihundertfünfundsechzig Tage sind vergangen, vierhunderteins Beiträge wurden geschrieben, einhundertviermal kommentiert. Zweiundfünfzig Wochen später – was hat sich geändert?

Ich habe mich verändert. Ich bin mir nur nicht sicher, ob zum guten oder schlechten.

Ars Poetica

Wie jetzt noch ein Gedicht schreiben,
warum nicht endgültig schweigen
und uns viel nützlicheren Dingen widmen?
Warum die Zweifel vergrößern,
alte Konflikte, unverhoffte Zärtlichkeiten
neu durchleben;
dieses Quentchen Lärm
einer Welt hinzufügen
die mehr ist, die es doch nur zunichte macht?
Wird irgendwas klarer durch solch ein Knäuel?
Niemand braucht es,
Relikt vergangener Herrlichkeiten,
wem hilft es, welche Wunden heilt es?

Juan Gustavo Cobo-Borda

Grundsatzdiskussionen

Es fing an mit Masseurin und Masseuse sowie Frisörin und Friseuse und endete mit der Frage, was den perfekten Mann ausmacht. Wenn man im Gespräch tiefer in die Thematik dringt, merkt man schnell, dass viele Frauen weiterhin insgeheim auf der Suche sind. Obwohl sie „ihren Mann“ an der Seite haben, fehlt ihnen etwas. Sieben junge Frauen an einem Tisch und viele Meinungen.
Ist man selbst zu anspruchsvoll? Sucht man etwas, was es nicht gibt? Trägt nicht jede irgendwie Spuren von Gefühlen für einen anderen Mann in sich? Und sei es nur die Frage, ob es ihn wirklich gibt – den perfekten Mann. Nicht derjenige, der einem die Sterne vom Himmel holt. Sondern der, welcher einem das Gefühl gibt, endlich angekommen zu sein. Der einen einfach umhaut. Der einen respektiert und Sehnsüchte stillt. Die Suche nach dem Unikat.

Berechnete Lebenserwartung

{Heute leben statistisch gesehen noch 99,28% der Frauen, die am xx.09.198x geboren wurden. Das bedeutet, dass bereits 0,72 von 100 verstorben sind, die am selben Tag wie du geboren wurden.

Du bist heute 2x,13 Jahre alt und hast damit bereits 30,36% deiner statistischen Lebenserwartung gelebt. Hochgerechnet wirst du 82,79 Jahre alt, was deinen statistischen Todestag auf den xx.07.206x fallen lässt. Somit hast du noch 69,64% oder 5x,66 Jahre zu leben.}

Manchmal ist es fast beängstigend, was das Internet so alles bietet.

[...}

Die Hoffnung ist der Regenbogen
über dem herabstürzenden Bach des Lebens.

Friedrich Nietzsche

LII

Das Monster

Meine Eltern wollen keine Tochter wie mich. Sie wollen mich nicht so akzeptieren, wie ich bin. Sie wollen sich nicht mit mir und dieser Situation auseinandersetzen. Sie wollen ihre Ruhe – sie blenden mich einfach aus ihrem Leben aus.

Vorgestern habe ich einen Mann gesehen, der meinem Vater ähnlich sah. Und heute auch. Vielleicht habe ich mir die Ähnlichkeit auch nur eingebildet. Ich vermisse meinen Papa.

Es treibt mich um, es frisst mich auf, es macht mich krank. Es gräbt sich wie eisige Klauen in mein Herz.

Nur eine Prise…

Viele Menschen, die ich kenne, vertragen Ehrlichkeit nur wohldosiert. Die Wahrheit klingt ausgesprochen oftmals sehr hart und manchmal gar bösartig in unserem weichgespülten Alltag. Wir haben verlernt, zu kommunizieren und dabei gleichzeitig die Fähigkeiten verloren, uns mit und in Konflikten auseinanderzusetzen. Offensichtlich allseits politisch korrekt, bravourös allzeit die Würde des Anderen achtend, tragen wir unsere Unkompliziertheit wie eine Fähnchen vor uns her und lügen uns dabei Tag für Tag gegenseitig in die Taschen. Wir haben vieles schon gesehen, sind aufgeklärt – oder sollten es zumindest sein – und haben gleichzeitig jeden Tag mit Fluten an Reizen zu kämpfen. Dabei entwickelt sich unser Miteinander wieder zurück, gutes Benehmen und soziale Kompetenz geraten meiner Ansicht nach immer mehr in den Hintergrund unserer Gesellschaft.

Wenn man dabei nun das Credo der Ehrlichkeit besitzt und direkt sowie unverblümt seine Meinung äußert, erntet man schnell pikierte Blicke. Wenn man gar zu nah an die – manchmal unbequeme – Wahrheit gelangt und sie Anderen wie einen Spiegel die eigene Unzulänglichkeit sowie Scheinheiligkeit reflektiert, jaulen manche gar wie geprügelte Hunde auf, wollen sich als Opfer verstehen – und feuern gleichzeitig massiv zurück.

Man macht sich damit nicht viele Freundschaften, steht oftmals als Sündenbock da, wenn man offen an- und ausspricht, was andere allenfalls wagen zu denken. Doch man erkennt dabei die echten Freundschaften. Meist sind es sehr gute Freunde, die mit eben jener Ehrlichkeit und direkten Art umzugehen verstehen, meist schätzen sie es gar. Für alle anderen ist man nur derjenige, der einem – natürlich absolut unbegründet und völlig unverständlich – das eigene Leben wagt zu stören und schwer zu machen. Aus reiner, vor allem berechnender, Bösartigkeit kombiniert mit Egoismus, gewürzt mit mangelndem Taktgefühl. „Was ich selber denk und tu, trau ich jedem andern zu!“ Ich war bereits einige Male im Leben überrascht, wieviel Berechnung mir andere zutrauen und welche Eigenschaften sie einem anrechnen.

Ehrlichkeit bringt die Wahrheit ans Licht. Ich verstehe die Übereinstimmung von dem, was ich sage mit jenem, was ich tue, als selbstverständlich an. Ich bemühe mich stets, so authentisch wie möglich zu handeln, mein Grundsatz lautet: Behandle andere so, wie Du es selbst von ihnen erwartest.

Doch mit soviel Anstand rechnen viele nicht – und man erkennt im Gegenzug dafür jedoch prima, welche Abgründe sich in den Gedanken des Anderen auftun.

Tausend kleine Splitter

In mir drin ist ein großes Loch. Ich habe nichts, was es ausfüllt. Nichts, was mich ausfüllt. Alles ist bedeutungslos. Ich mache anderen das Leben schwer. Lasse nur wenige ganz nah an mich heran und dann auch nur manchmal. Stoße alle weg, vom Abgrund. Meinem Abgrund, in mir drin. Ich habe eine hohe Mauer um dieses schware Loch gebaut. Ich fühle mich wertlos.

Mein PC, der Feind

Zur Zeit schlage ich mich mit Fehlermeldungen, Bluescreens und ganzen Abstürzen herum. Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis es hier wieder täglich was gibt. Dabei fehlt mir das Bloggen. All die kleinen Gedankenkleckse, die ich hier jeden Tag bei Bedarf los werden kann. Zum Beispiel die Erleichterung darüber, dass der Zahnarzt gar nicht bohren musste. Und das Gefühl des täglich grüßenden Murmeltiers inklusive Hamster im Rad. Mein soziales Netzwerk, in welchem es im Moment drunter und drüber geht.

Wie ein Zauberwürfel.

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