Archiv fürJuli 2, 2008

Schockierend

Ich bin entsetzt darüber, zu was Teile unserer Gesellschaft inzwischen fähig sind. Eine Frau stirbt im Wartezimmer eines Krankenhauses - andere Patienten, Mitarbeiter der Klinik und das Wachpersonal schauen emotionslos zu. Das macht mir Angst.

[sueddeutsche.de ~ Sterbende Frau in der Notaufnahme ignoriert}

Manche Dinge ändern sich nie…

Aus den Trümmern unserer Verzweiflung
bauen wir unseren Charakter.

Ralph Waldo Emerson

*

Wir kennen uns seit 18 Jahren. Trotz des streckenweise sehr sporadischen Kontakts haben wir uns nie aus den Augen verloren. Als ich ihn gestern nach fünf Jahren wiedersah, saß ich vor einem anderen Menschen, als ich in Erinnerung hatte. Wir gewährten uns Einblicke in unser Seelenleben und zeigten uns gegenseitig Seiten an uns selbst auf, die wir bisher voneinander nicht kannten. Die Erfahrungen haben ihn verändert. Das Leid der Vergangenheit hat ihn erwachsen und stark gemacht. Auch wenn es nicht meiner üblichen Wortwahl entspricht - das Leben hat ihn in den letzten Jahren mächtig gefickt.

Das gestrige Treffen trug eine (freundschaftliche) Intensität in sich, die ich nicht erwartet hatte; er vertraut mir blind. Er erzählt mir, dass er zweimal kurz davor war, dieser Welt lebewohl zu sagen. Es wäre für mich ein unglaublicher Verlust gewesen. Ich habe mich immer bemüht, ihn nicht aus den Augen zu verlieren.

Und heute, ganz unerwartet, kam sein Dank - wenige Worte, die mir zeigen, dass ihm das gestrige Treffen genauso viel bedeutet wie mir.

“Ich glaube, das war einer der schönsten Tage in meinem Leben, habe mich richtig gefreut.”

*

Echte Freundschaften sind nicht zerbrechlich wie Glas,
oder vergänglich, wie Raureif,
sondern das Beständigste, was wir kennen.

Ralph Waldo Emerson