Es ist nicht wenig Zeit,
die wir haben.
Sondern viel Zeit,
die wir nicht nutzen.
Seneca
[Ich fühl mich leer und traurig. ~*~ Es ist zwei Wochen her, dass mein Vater Geburtstag hatte - keine Meldung seitdem. ~*~ Manchmal wünschte ich, ich wäre mehr für ihn. ~*~ Ich will weit weg sein.~*~ Der Zauber ist verflogen.]
„There are days when outside your window,
I see my reflection as I slowly pass
and I long for this mirrored perspective when we’ll be lovers,
lovers at last.“
Ihn riechen,
ihn schmecken,
ihn fühlen.
Den Kopf auf seine Brust legen, seinen Herzschlag hören.
Mit der Nase seinen Nacken kitzeln, seinen Duft einatmen, seine Wärme im Gesicht spüren.
Seine Arme halten mich fest.
All das.
Ich glaube manchmal, dass ich eine Mischung aus weiblichen und männlichen Genen bin – im Verhältnis fifty-fifty. Was die materiellen Angelegenheiten angeht, so bin ich eher der männliche Typ. Einkaufen verursacht bei mir Stress und intensives Shopping eine halbe Herzattacke. Ich hasse es, stundenlang nach Klamotten suchen zu müssen und es artet fast immer(!) in Frust aus.
Ich besitze frauenuntypisch nur zwei Handtaschen, etwa 6 Paar Schuhe (Flip Flops eingerechnet), reise mit einem kleineren Koffer als Männer an und mein Kleiderschrank ist lediglich zu einem Drittel mit Kleidung befüllt.
Allerdings gibt es eine Ausnahme – bei den Taschen von Brunotti werde ich zum Fashion Victim. Anlässlich eines Hilferufs aus Dachau (
) stöberte ich im Onlineshop herum – und habe fast mehr gesabbert als gestern im Kino bei „Sex and the city“. Und nun halte mich irgendjemand von dieser Webseite fern!
Manchmal habe ich das Gefühl, mit meinem Leben gescheitert zu sein. Egal, was ich bisher erreicht habe – es ist nicht das, was ich wollte. Wie auf einer Straße – stets auf der sicheren rechten Spur gefahren, obwohl es doch die linke sein sollte. Mir ist es, als hätte ich bis 17 nicht existiert. Die wenigen wirklich glücklichen Momente in meiner Kindheit fanden in den Ferien bei meinen Großelternpaaren statt, die Jugend versumpft in der Depression. Meine Eltern haben mich zu einer funktionierenden Marionette erzogen, es war kein Platz für Individualität.
Wenn ich heute sehe, wie der Freundeskreis unabhängig von den Eltern langsam und stetig seinen eigenen Weg geht, komme ich ins Grübeln. Sieben Jahre ist es inzwischen her, dass ich aus dem Elternhaus geflüchtet bin. Ich habe mich in eine Ausbildung gestürzt, die mir die finanzielle Unabhängigkeit von meinen Eltern ermöglicht hat. Ich bereue es nicht, so früh ausgezogen zu sein. Doch wenn ich heute sehe, welche Möglichkeiten Abitur und Studium bieten, bildet sich in meinem Magen ein Knoten. Ich frage mich oft, was ich aus heutiger Sicht anders hätte machen können. Nun stehe ich mit einem Beruf da, den ich nie erlernen wollte und der mir keinerlei Möglichkeiten bietet.
Ich habe immer von einer eigenen Familie geträumt, die weiterhin in unbestimmter Ferne liegt. Die Zeit rennt an mir vorbei und ich fühle mich wie in einem Spinnennetz – in welche Richtung ich mich auch drehe, ich verknote mich an Ort und Stelle noch mehr. In den letzten Jahren habe ich mir Spontanität, Selbstbewusstsein und Lebensfreude antrainiert, nur das Glücklichsein will sich nicht einstellen. Wenn ich auf mein Leben schaue, werde ich ruhelos. Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Bin ich selbst schuld? Hätte ich mehr daraus machen können? Doch immer öfter drängt sich mir das Gefühl auf, dass mir meine Eltern mein Leben verbaut haben. Es ist sicherlich einfach, die Schuld am eigenen Elend auf jemand Anderen zu schieben. Doch wie viele Möglichkeiten haben sie mir genommen? Ich sage mir immer wieder, dass es nichts bringt, vergebenen Chancen nachzutrauern, die Zeit bringt mir keiner zurück. Jedoch mag es mir nicht gelingen, es jetzt besser beziehungsweise anders zu machen. Ich suche nach einer Möglichkeit, aus meinem Leben auszubrechen, ein Stück weit mehr Ich selbst sein zu können.
Zuviel Chaos herrscht bei diesen Gedankengängen in meinem Kopf…